Wie wird Morbus Fabry diagnostiziert?

Stellen Sie sich ein Chamäleon vor! Es versteckt sich gern, wechselt seine Farben und wird selten sofort erkannt. Ebenso vielfältig wie der Verwandlungskünstler aus der Tierwelt sind auch die Symptome von Morbus Fabry. Die Erkrankung wird meist erst entdeckt, wenn in Zusammenarbeit verschiedene Fachärzte die individuellen Symptome als ein Gesamtbild betrachten.

Obwohl die ersten Anzeichen eines Morbus Fabry häufig bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten, haben viele Patienten eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich. Denn Morbus Fabry ist schwer zu erkennen
– wie ein Chamäleon.

Fehldiagnosen sind häufig:

25 % der Patienten aus der Fabry-Langzeitbeobachtung wurden zunächst falsch diagnostiziert.1

In der Regel stellt ein Facharzt nach einer genauen Untersuchung die Diagnose. Dabei sind, neben der Analyse von Symptomen und einer genauen Betrachtung der Familiengeschichte, auch eine Blutuntersuchung oder ein genetischer Test notwendig.

Diagnoseprozess: Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Zur Diagnose eines Morbus Fabry bei Männern wird mithilfe einer Blutuntersuchung die Aktivität des Enzyms α-Galactosidase A gemessen. Das Enzym spaltet normalerweise Abfallstoffe, sogenannte Glykosphingolipide. Dadurch können diese weiter abgebaut und entsorgt werden. Bei Morbus Fabry funktioniert das Enzym nur teilweise oder überhaupt nicht. Deswegen werden die Glykosphingolipide nicht abgebaut und können im Blut nachgewiesen werden. Wenn bei einem Mann eine zu geringe Aktivität des Enzyms im Blut nachgewiesen wurde, erfolgt im nächsten Schritt die genetische Blutuntersuchung zur Bestimmung der krankheitsverursachenden Mutation im α-Galaktosidase-A-Gen und damit die Bestätigung der Enzymmessung.

Bei Frauen wird anders vorgegangen. Das Gen für die α-Galaktosidase A befindet sich auf dem X-Chromosom. Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, von denen in jeder Zelle des Körpers nur eines funktionstüchtig ist. Der Zufall entscheidet dabei, ob das intakte X-Chromosom oder das X-Chromosom mit der krankheitsverursachenden Mutation aktiv ist. Dadurch ist es möglich, dass bei Frauen eine normale Aktivität des Enzyms im Blut gemessen wird (ca. 70–80 % der Frauen mit Morbus Fabry haben eine normale Enzymaktivität im Blut!) und trotzdem können an anderen Organen Symptome der Krankheit auftreten. Daher ist die alleinige Bestimmung der Enzymaktivität im Blut von Frauen nicht ausreichend und der genetische Bluttest für die Diagnose des Morbus Fabry besonders wichtig.

Was passiert nach der Diagnose?

Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei, jedoch tauchen für viele Betroffene neue Fragen auf. Schließlich ist Morbus Fabry eine komplexe Erkrankung, von der verschiedene Organe betroffen sein können. So schließen sich an die Erstdiagnose weitere Untersuchungen an, das heißt: Haut, Augen, Nieren, Herz, Gehirn, peripheres Nervensystem und der Magen-Darm-Bereich werden genau betrachtet. Wenn die Ergebnisse der Tests vorliegen, können Fachärzte einen personalisierten Therapieplan erstellen.


Es gibt jedoch auch Menschen mit einem entsprechenden Gendefekt, die keine oder nur leichte Krankheitssymptome entwickeln. Das hängt davon ab, wie viel funktionsfähiges Enzym der Körper bilden kann. Da es viele verschiedene Genmutationen gibt und Frauen außerdem zwei X-Chromosomen besitzen, kann die Ausprägung sehr unterschiedlich sein.


Außerdem ist es wichtig, an einer genetischen Beratung teilzunehmen. Morbus Fabry ist eine genetische Erkrankung, das heißt, sie kann an die eigenen Kinder vererbt werden, aber auch andere Familienmitglieder können davon betroffen sein, wie etwa Großeltern, Geschwister oder Cousinen. Daher empfiehlt es sich, eine Stammbaumanalyse durchzuführen und die Familiengeschichte genau zu dokumentieren. Angehörige, deren Wahrscheinlichkeit von Morbus Fabry betroffen zu sein, aufgrund einer Stammbaumanalyse erhöht ist, können sich kostenfrei testen lassen. Nur so ist es möglich, frühzeitig eine Diagnose zu stellen und rechtzeitig mit einer Therapie zu beginnen. So lassen sich viele Risiken reduzieren.

Zudem ist es möglich, dass ein Morbus Fabry vorliegt, aber noch keine Krankheitszeichen gezeigt wurden. Oder es sind bereits Krankheitszeichen aufgetreten, diese wurden jedoch nicht als Morbus Fabry erkannt. Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, ist es bedeutsam, frühzeitig Morbus Fabry zu erkennen und mit einer Therapie zu beginnen.

Wie wird Morbus Fabry therapiert?

Dank des medizinischen Fortschritts ist Morbus Fabry mittlerweile gut behandelbar, aber leider noch nicht heilbar. Es gibt verschiedene therapeutische Möglichkeiten, sowohl die lysosomale Speicherkrankheit selbst als auch die Symptome zu behandeln.

Enzymersatztherapie

Bei Patienten mit der seltenen Stoffwechselerkrankung funktioniert das Enzym α-Galactosidase A entweder nur eingeschränkt oder gar nicht. Im Rahmen einer Enzymersatztherapie erhält der Patient regelmäßig – alle zwei Wochen – eine Infusion mit intakten Enzymen, sodass der Abbau von Stoffwechselprodukten, den Glykosphingolipiden, in den Zellen wieder sichergestellt werden kann.
Die Enzymersatztherapie begleitet den Betroffenen ein Leben lang.

Kann ich die Infusionen auch Zuhause erhalten?

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Möglichkeiten es gibt, die Infusionen zu bekommen. Gemeinsam werden Sie die beste Option für Sie finden. In einer groß angelegten Umfrage unter Patienten mit Enzymersatztherapie bei Morbus Fabry gaben mehr als ein Drittel der Patienten an, dass sie ihre Infusionen
zu Hause erhalten.2

Chaperon-Therapie

Für Morbus Fabry-Patienten mit bestimmten Genmutationen kann auch eine Chaperon-Therapie in Frage kommen. Chaperone sind kleine Moleküle, die sich kurzzeitig an fehlerhafte Enzyme anlagern und ihnen dabei helfen, ihre natürliche Funktion auszuüben.

Verbesserung der Lebensqualität

Zu den entscheidenden Zielen der spezifischen Therapien, aber auch der möglichen Begleittherapien, gehört, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dazu zählt auch, Schmerzen zu lindern und die Funktionsfähigkeit der Organe (vor allem von Nieren, Herz und dem Nervensystem) zu unterstützen,. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlungsmöglichkeiten am besten für Sie geeignet sind!

Gut zu wissen:
Muss ich behandelt werden, auch wenn ich keine Symptome habe?

Morbus Fabry ist eine fortschreitende Erkrankung. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wann ein Behandlungsbeginn sinnvoll ist. Auch wenn in Ihrem Fall noch nicht mit einer Therapie begonnen werden muss, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um den weiteren Krankheitsverlauf gut im Blick zu haben.


Welche Kontrolluntersuchungen sind wichtig?

Patienten mit Morbus Fabry sollten sich mindestens ein- bis zweimal im Jahr in einem Fabry-Zentrum vorstellen, um den Krankheits- und Therapieverlauf mit dem Arzt zu besprechen.

Dafür empfiehlt es sich, eine Checkliste zu führen, um mögliche körperliche Veränderungen zu dokumentieren. Die Checkliste unterstützt Sie in Ihrem Gespräch, kann aber auch Ihrem Arzt wichtige Hinweise liefern.


Ein Spezialisten-Team betreut Sie!

Da die lysosomale Speicherkrankheit verschiedene Organe betreffen kann, sind unterschiedliche Ärzte an der Behandlung der Symptome beteiligt. Patienten mit Morbus Fabry werden am besten von einem interdisziplinären, das heißt fachübergreifenden, Team von Fabry-Spezialisten betreut.

Viele Probleme können vermieden oder verringert werden, wenn die Schädigungen an den Organen rechtzeitig erkannt werden. Deswegen ist es wichtig, regelmäßig nach Veränderungen und Frühsymptomen zu sehen. Dazu benötigen Sie Spezialisten. Zu Ihrem Spezialisten-Team gehören möglicherweise:

Wofür sind die einzelnen Spezialisten zuständig?